Stellen wir uns mal vor…

wir wären Chefredakteur beim Bayerischen Rundfunk. Also der Chefredakteur. Und wir hätten ein spannendes Thema, vielleicht den ADAC und wir hätten auch noch eine regelmäßige Talksendung.
Was man da alles machen könnte…

Einen echten Kracher, was zum Anfassen, sowas müsste man im Studio haben, Anschauungsmaterial, das macht das ganze ein bisschen authentischer: Wenn man was zum Anfassen hat, dann kann der Zuschauer gleich viel besser nachvollziehen, worum es geht.
So ein Hubschrauber wäre schon toll, so ein gelber.

Es gibt ja immer so Hänger, in einer Talkrunde, man muss da schon vorbereitet sein, ich bin da ganz Profi. Also wenn sich gerade keine Fragen ergeben und bevor man da wortlos rumsitzt kann ich dann den Hubschrauber so rumfliegen lassen, brrrmmm und dann sagen wie toll so ein knallgelber Hubschrauber doch ist oder wie toll das wäre, wenn man so einen hätte.

„Fünfzig-Tausend-Mal“ sage ich dann, „Rettungseinsätze“.

Der Praktikant hat dann einen aufgetrieben und sogar noch einen Abschleppwagen dazu, mit Pritsche und echtem Logo und allem, „online“ hat er gesagt, im ADAC-Shop. Unglaublich, was es alles gibt, jetzt macht der ADAC auch Hubschrauber für Kinder. Toll!

Aber bei den Gästen musst Du als Moderator dann schon liefern.

Also habe ich den Uwe Ritzer, diesen Journalisten von der Süddeutschen, der die Sache mit den Engeln ins Rollen brachte. Das reicht natürlich nicht, den kennt man ja bereits und wirklich Neues hat der ja jetzt eigentlich auch nicht geliefert, seit dem Scoop mit dem Lieblingsauto. Da fehlt dann schon der Twist in der Story, das muss ein bisschen echter, nicht so dröge.

Mir ist ja schon wichtig, dass das rund ist, so vielfältig. Man soll ja auch nicht unfair sein und immer nur den Quälgeistern und Journalisten ein Forum geben im Studio, das wird ja schnell langweilig, diese Miesepeter. OK, der ADAC hat abgesagt, aber mal ehrlich, das kann man ja auch ein bisschen verstehen, die haben sicher jetzt viel zu tun und der Peter hat mir auch gesagt
„Du Sigi, weißt, von Herzen gern, aber das ist jetzt ganz schlechtes Timing, ich kann da wirklich nicht.“
„Und der Karl…?“
„Der hat auch gar keine Zeit.“
„…Reindl…“
„Ganz schlecht.“
„Aber…“
„Bei aller Liebe!“
„OK.“

Aber dann hat Jutta Kleinschmidt zugesagt, die ist eine echte Rallyefahrerin und kennt sich aus mit Autos und allem, obwohl sie gar nicht mehr Mitglied ist aber immerhin war sie mal Mitglied und da hat der ADAC ihr dann auch gleich geholfen:
„Ich hatte einen Motorradunfall in Algerien.“
„Oh je!“

Aber für eine echte Münchner Runde braucht’s halt noch wen von nebenan und deshalb haben wir nach langem Suchen einen Herrn gefunden, der seit 33 (dreiunddreißig!) Jahren Mitglied ist und das auch gar nicht bereut, denn er hat den ADAC ja gerade erst gebraucht und er erzählte uns davon: „Klassiker: Batterie springt nicht an“, ich finde das sympathisch. Und seine Mitgliedskarte hat der Herr auch gleich noch mitgebracht und in die Kamera gehalten. Das war eigentlich ein bisschen unprofessionell aber hatte ich ja einen Hubschrauber, brrrmmm…

Und weil vom ADAC ja keiner Zeit hatte und ich nicht wollte, das das jetzt zu fad wird, muss man auch mal in die Rolle des Angeklagten schlüpfen. Ich denke, das macht einen guten Moderator aus. Also: „Herr Grotz, wie gewinnen wir das Vertrauen zurück?“

Aber vielleicht ist das gar nicht die Frage. Vielleicht ist das die Frage: Woher kommen solche Informationen über die Manipulation. Ich habe da schon den Verdacht, das muss von innen kommen. Ich kann den Ritzer jetzt natürlich nicht fragen, ob ein ADAC-Mitarbeiter gequatscht hat. Also versuche ich es anders:
„War es ein Mitarbeiter?“
„Wir bekamen Anfang Dezember eine anonyme Zuschrift…“
„Aus dem ADAC.“
„Eine anonyme Zuschrift!“
„OK“

Und weil das jetzt auch nichts bringt – ich hab’s ja gleich gewusst – bringen wir erstmal einen Einspieler zur Geschichte des ADAC – sowas hab ich drauf. Und danach dann gleich nochmal der Hubschrauber, brrrmmm, Fünfzigtausend, und die Kleinschmidt, denn die ist auch Hubschrauberpilotin und hat einen eigenen:
„Wir können den auch mieten?“
„Ja, Sie können den auch…“
„Wenn wir zu irgend’nem Unglück fliegen müssen…“
„Ja, gerne.“
„Vielleicht haben Sie einen guten Preis…“

Aber zur Einordnung nochmal: 50.000 Luftrettungseinsätze, brrrmmm.

Ich könnte dann auch nochmal die Gäste reihum zu Details befragen, fachliche Details, wie sich der ADAC organisatorisch ändern muss, jetzt ganz konkret, wie, im Detail, kann die Mitbestimmung der Mitglieder umgesetzt werden, ich insistiere da auch gerne mal, welche Teile des ADAC genau sind das denn die in den Wirtschaftsteil gehören. Und ganz groß: Was muss sich jetzt ändern? Alle dürfen mal ran, ein bisschen rumplaudern und das sagen, was sie schon gelesen haben oder was die anderen gerade gesagt haben, ich muss ja auch mal verschnaufen, ein bisschen Luft holen für die Verabschiedung der Zuschauer, das wird bestimmt wieder ein langer Satz.

Ich bedanke mich für die engagierte, auch kurzweilige, auch sehr am Zuschauer entlang äh argumentierte Diskussion ich halt’s nochmal fest Fünfzigtausend Rettungseinsätze mit diesen Hubschraubern [brrrmmm] und Vierkommasiebzehnmillionen Pannenhilfen pro Jahr mit diesen und anderen Autos wovon wir alle hier am Tisch auch mehr oder weniger  schon profitiert haben auch das gehört zur Wahrheit und deshalb wünschen wir uns alle dass dieses Thema bald in unserem Interesse gelöst wird vielen Dank für Ihr Interesse.

Ja, so könnte man das machen.

Muss man aber nicht.


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