Grimme-Preis auch für „Bild“

Ich möchte die Bild-„Zeitung“ für den Grimme-Preis vorschlagen. Kategorie „Unterhaltung“. Oder „Presse“.

Es gibt Gründe.

Der Grimme-Preis ist ein Synonym für Seriosität und höchste Ansprüche. Seit man dort seine Zuständigkeit auch auf im Ausland erdachte TV-Shows ausgeweitet hat, möchte ich das Institut ermutigen, sich in Zukunft (nach Fernsehen und den Online-Medien) auch Presseerzeugnissen zuzuwenden – die haben es in der letzter Zeit ja schwer.
Und ich möchte nicht erst warten müssen, bis es flächendeckend Bild-TV gibt.

Nein, es ist jetzt schon hohe Zeit Populismus, Trash, politische Kampagnen und sozial akzeptiertes hinter-dem-Rücken-ablästern nicht mehr nur dem Prekariat, den Abgehängten und Chancenlosen vorzubehalten, sondern der breiten Mitte, dem Bildungsbürger, gar dem Intellektuellen in einem „offenen Diskurs“ zugänglich, verständlich  zu machen und eine breite Diskussion in der Gesellschaft über den „tiefgreifenden Wertewandel“, „Tabubrüche“ und „schillernde Zwischenzonen“ zu beginnen.

Sie mögen jetzt einwenden, „viele äußere Erscheinungen“ der Bild-„Zeitung“ seien „nach herkömmlichem Empfinden ekelerregend und widerlich, verletzen für viele Menschen gewohnte Grenzen des Geschmacks“. Doch dass sich ein der Zukunft zugewandtes Institut eben gerade nicht mit herkömmlichem Empfinden oder gewohnten Grenzen aufhalten kann ist doch nur logisch.
Auch Bild ist Kunst.

Richtig ist schließlich auch:

Seit nunmehr acht sechzig Jahren nimmt eine große Anzahl von Menschen – um acht zwölf Millionen pendelnd – diese im australischen Dschungel in Berlin inszenierte Show Zeitung als Unterhaltung wahr, und eine Vielzahl von Medien (inklusive der unbestritten seriösen) verfolgt dieses auch in den sozialen Medien intensiv begleitete Spektakel mit hoher Intensität. Das „Dschungelcamp“ Die Bild-Zeitung ist somit in jeder Hinsicht […] auch ein gesellschaftliches und ein individuelles Phänomen, bei einem sehr gemischten, zu einem Drittel akademisch gebildeten weiblichen Publikum.
Grimme-Institut

Nun mögen sie einwenden, die Bild-„Zeitung“ habe doch schon einen Preis erhalten. Das stimmt natürlich. Aber das war in der falschen Kategorie (Journalismus). Und dass es sich bei der Bild-„Zeitung“ weniger um ein journalistisches als vielmehr „um ein hochintellektuelles Satireprodukt“ handelt, hat schließlich schon der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG Mathias Döpfner eingeräumt.

Vielleicht bin ich auch auf dem falschen Dampfer.

Vielleicht haben Sie ja noch eine Idee, welchen renommierten Medien-Preis man in Grund und Boden reiten kann?


Wolfgang Michal stolperte über die selben Stellen und meint eine PR-Aktion zu erkennen:

„Die ganzen intellektuellen Nebelkerzen von „offener Diskurs“ bis „Wertewandel“, von „schillernder Zwischenzone“ bis „Tabubruch“ hätte es nicht gebraucht.“

Die Kommentare dort sind übrigens auch sehr lesenswert, unter anderen auch wegen der von Stefan Niggemeier und Peer Schader.

Carta-Kommentator Hardy hatte noch etwas Zeit, sich sein Kopfschütteln wegzuschreiben

„was bitteschön sollte an einer in großbritannien eingekauften fernsehshow in der 6. staffel für das voyeuristische pack, das sein leben vor billigstem müll in der glotze verbringt und dann auch noch darüber reden will, innovativ und auszeichnungswert sein?“

und die Kommentare zu kommentieren. Und das am Ende ziemlich deutlich.

 

 

PS: Ja nee is klar…

„Die Nominierung war richtig, weil sie eine Diskussion darüber auslöste, was gutes TV ist – und was nicht.“

sagt Grimme-Jurorin Hannah Pilarczyk auf SpOn.


One Response to “Grimme-Preis auch für „Bild“”

  • hardy rupp Says:

    ich komme mir ja unfassbar altbacken vor, so etwas überhaupt zu sagen – aber irgendwie scheint sich ja tatsächlich der bezugsrahmen für die dinge, die uns wichtig sind und die, die uns eigentlich am ##### vorbeigehen sollten, zu verschieben.

    wie sich jemand „allen ernstes“ für diesen müll „stark“ machen kann, will mir nicht in den kopf. und ja, am besten sollten wir die BLÖD auch auszeichnen, so weit sind „wir“ nämlich schon herunter gekommen.

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