Gala-Titel schummelt

…und keiner merkt es*?

Vielleicht ist es nur ein ganz neuer Trick. Doch ich habe den Verdacht, es ist das Konzept hinter dem viel diskutierten Leistungsschutzrechtes für Verlage über dessen Sinn sich eine ganze Branche seit Monaten den Kopf zerbricht.

Klar, auf der aktuellen Gala ist eine hübsche Blondine abgebildet. Doch dass Michelle Hunziker nebenbei auch Testimonial und Markenbotschafterin des Kosmetikherstellers L’Oréal ist, fiel mir erst auf, als ich, ein wenig erschöpft, durch die letzten Seiten des Magazins blätterte: Dort sprang mir aus einer 1/1-Anzeige des Kosmetik-Herstellers wieder die blonde Hunziker vom Titel entgegen.

“Koppelungsgeschäft! Sauerei, jetzt habe ich Euch!”, dachte ich und sah mir den Titel nochmal an. Alles da: “Gala”-Logo, Angabe der Ausgabennummer, Datum und Verkaufspreis, die Blonde, die Titelzeile “Meine 24h Volumen Wette”.

Doch das eigentliche Titelbild findet sich erst auf der übernächsten Seite – Mit einer anderen, champagnerbeduschten Blondine und Themen wie “Tränen am Altar”, “Stars im Urlaub” und “Der Skandal” auch nicht ganz so monothematisch wie er lila Fake-Titel.

Nun ist das in Deutschland übliche Presserecht und der entsprechende Kodex mit seinen 16 Ziffern relativ übersichtlich und schon deshalb zur Einhaltung empfohlen. So weiß auch jeder Journalist um die notwendige Trennung von Werbung und redaktionellem Inhalt, denn die Verantwortung der Presse gebiete, “dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter […] beeinflusst werden”. Sogenannte Advertorials (Werbung, die in Gestaltung und Layout dem redaktionellen Inhalt gleicht) werden daher gerne eingesetzt, um eben nicht als Werbung wahrgenommen zu werden. Ein einfacher Trick ermöglicht das: Es reicht den entsprechenden “Beitrag” als “Werbung”, “Anzeige” oder “Reklame” zu kennzeichnen, so fühlt sich kein Leser übers Ohr gehauen.

Eigentlich eine einfache Sache, irgendwo im Adveertorial ein „Reklame“ unterzubringen und aus dem Schneider zu sein. Immerhin, auch bei Gala schreiben sie Transparenz groß und berichteten in einer aufschlussreichen Hintergrundstory über Hunzikers neues Werbeengagement – am 28. Juli konnte man über den spektakulären Titel-Coup (Erstverkausftag 5. August) von L’Oréal ja noch nichts ahnen…

Die Frage ist jetzt natürlich, ob L’Oréal die Titelseite gekauft hat. Oder ist es vielmehr so, dass L’Oréal den ganzen Titel an den Kiosk brachte und Gala sich eingekauft hat? Das wäre mal ein neuer Trick, der dem in letzter Zeit begrifflich schon arg strapazierten Journalismus ganz neue Möglichkeiten eröffnete: Die Werbepartner finanzieren einfach alles, also Fotos und Texte und Layout und Druck und Redaktion und alles und der Verlag kriegt dafür das Titel-Logo und pappt es drauf und wird an den Einnahmen beteiligt und bekommt Lizenzgebühren von den Werbeagenturen.

Ist das die Erfüllung des Leistungsschutzrechtes, das den Verlagen ihre Einnahmen auch in Zukunft sichern soll?

Durchaus denkbar. Die Leser werden es in diesem Fall nicht bemerken.

* die Kiosk-Leser werden es nicht bemerken, denn dort liegt eine „normale“ Ausgabe. Die gut 50.000 Abonnenten jedoch hätten eine Chance.

::: drucken


3 Responses to “Gala-Titel schummelt”

Leave a Reply