Da will man mal mit der Bahn…

Ein Termin in Saarbrücken steht an, schon eine Weile geplant, es gibt keine
Alternative. Ich wollte mit der Bahn fahren, einfache Fahrt, vielleicht erster Klasse.
Die Verbindung wäre OK, morgens in München los, Nachmittags dort, das Ticket wollte
ich heute buchen. Da eröffnet mir die Sachbearbeiterin im Münchner Hauptbahnhof, sie
wüsste erst ab 14 Uhr, welche Züge überhaupt führen. Ach Du Scheiße, der Weselski, ich
hatte ihn im Radio gehört, und dass das nicht anders ginge, jaja…

Ich will jedoch nicht in zwei Stunden nochmals in einer dann wohl noch längeren
Wartenummernschleife anstehen, nur um zu erfahren, dass es vielleicht doch keine
Verbindung gibt oder eine mit Umsteigen und mit verpassten Anschlüssen, überfüllten
Bahnsteigen und genervten Mitmenschen und einem geplatzten Termin.
Ich mache mich also auf die Suche nach Alternativen.

Auf dem Weg ins Büro denke ich, das Meilenkonto sollte doch für etwas gut sein, ich
checke die Verbindungen. Saarbrücken wird aus München nicht direkt angeflogen aber es
gibt eine Verbindung via Frankfurt und ab dort weiter im im Bus. OK, die Reisezeit
wäre mit der Zugfahrt vergleichbar und 3 Stunden Fahrt im Lufthansabus würde ich auf
mich nehmen. Doch im Meilenportal die Ernüchterung: Online ist die Strecke nicht
buchbar, auf konventionellem Weg gebucht kostet der Spaß fast 500 Euro. Im Vergleich
zum Bahnticket keine Alternative, wie ich finde.

Kurz denke ich an Uber und kann es selbst nicht glauben, dass ich das gerade getan
habe. Bei der Mitfahrzentrale geht die eine verfügbare Fahrt erst nachmittags los und
scheidet aus. Auch bei Mitfahrgelegenheit.de gibt es einen Platz, keine 30 Euro. Start
um 9 Uhr, nicht weit von zu Hause. Der Fahrer gibt eine Fahrtzeit von weniger als fünf
Stunden an, was ich für eine Strecke von 450 Kilometern via Stuttgart für optimistisch
halte, egal mit welchem Auto. Aber ich kann mir denken wie der fährt. Das Profil des
rasanten BMW 118-Fahrers verrät mir, dass er Raucher ist – was für eine Vorstellung.

Mitfahrgelegenheit zeigt mir die Alternative Flixbus. Sechseinhalb Stunden Busfahrt
liegen jedoch auch bei einem Preis von 40 Euro deutlich über meiner Leidensgrenze.

Ich erinnere mich, dass mir Lufthansa.com eine Alternativroute anbot – statt via
Frankfurt und mit Bus ginge das auch über Hamburg, doch im Meilenportal wird mir auch
das nicht angeboten. Ich rufe an und bitte um Klärung.

Nach ein bisschen hin-und-her kriegt die freundliche Meilen-Mitarbeiterin die Buchung
hin, inklusive Steuern sind dann 40 Prozent meiner angesammelten Flugmeilen verbucht –
ich zucke nur kurz, denn wie schon gesagt: Wozu hat man sie denn. Ich muss zwar
saufrüh raus, kann aber den Termin nach vorne legen und werde trotz Abstecher auf den
St.Johanner Markt auch ein paar Stunden früher wieder zu Hause sein.

Ich stelle mir meine morgige CO2-Bilanz vor und sie ist häßlich.
Liebe Bahn: Ich hätte Euch ja gerne die Gelegenheit gegeben… nein ich habe Euch die
Gelegenheit gegeben mich davon zu überzeugen, dass Ihr eine Alternative anbietet. Ihr
könnt Euch beim Herrn Weselski bedanken. Ihr und die GDL solltet das all denen
erklären, die morgen nicht auf eine kostenfreie Alternative ausweichen können.

Dem KiTa-Streik bringen sie sicher mehr Verständnis entgegen.

PS: Wenn mich der nächste Streik bei den Flugbegleitern, den Lotsen oder den Piloten
trifft, dann schreibe ich das auch auf, vielleicht schreibe ich sogar hier, an dieser
Stelle, wie einfach es war ein Bahnticket zu buchen oder mit dem Auto zu fahren.


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