Der Focus meint das ernst

Der Focus schickt mir eine eMail mit dem Betreff:
Typische Persönlichkeitsmerkmale – So erkennen Sie einen Psychopathen

Nach den ersten Zeilen des Online-Artikels habe ich den Eindruck, es gäbe eine Content-Kooperation mit dem Postillon. Doch mir schwant: Die meinen das ernst…

Es gibt ein Kriterium beim Focus,welches hilft,  das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden zu können, die Seitenfüller von den wirklich ernsten Sachen zu trennen: Es ist die Checkliste.
Die Focus-„Psychopathen-Checkliste“ hat 20 Punkte.
Das ist für einen Selbst-Test zwar ein bisschen viel, doch sie ist wissenschaftlich fundiert, natürlich – aber:

  • „Ob jemand, auf den mehrere Merkmale zutreffen, tatsächlich ein Psychopath ist, bleibt ungewiss.“
  • „Es kann auch jemand gefährlich und kriminell sein, der nur wenige Punkte erzielt.“

Das heißt im Klartext: Egal wie viele Punkte sie im neuen Focus-Psychopathen-Selbst-Test erreichen, Sie könnten einer sein. Wahrscheinlich. Oder auch nicht. Und das Beste ist: Es könnte jeder ein Psychopath sein, den Sie kennen und auf den zutrifft, er sei „oberflächlich“ oder habe „Charme“ oder würde „Absprachen ablehnen“. Sehr verdächtig sind auch Menschen, die „promiskuitives“ Verhalten zeigen oder „keine langen Beziehungen“ pflegten. Das sind eine ganze Menge, laut Focus (mit oder ohne Checkliste) eine Million Menschen in Deutschland. Oder auch nicht. Und nur 50% von denen sitzen als „Gewalttäter im Gefängnis“.

Aber der Focus beruhigt: „Nicht jeder Psychopath wird zum Vergewaltiger oder Mörder“, neinnein, keine Aufregung, „viele“ dieser Psychopathen sind nämlich „äußerst erfolgreich im Beruf“ zum Beispiel als Politiker. Vielleicht ist das ein Grund zur Freude für Eltern von Kindern mit ADHS, denn die hätten „ein hohes Risiko, psychopathische Tendenzen zu entwickeln“.

Oder auch nicht.

 

 


Leave a Reply