Schwer genervt nach Mexiko

Testfahrten mit dem Mercedes Benz AMG SLS - in Mexico

Schon die Einladung hat mich schwer genervt: Mercedes fahren (kein Cabrio), im Tempo-begrenzten Mechiko (elf Stunden Flug), nur Teile der Original-Panamericana. Super. Drei Tage unterwegs für Chili und Kakteen… Mitarbeiter die ich zu diesem Trip verdonnern könnte sind entweder im Urlaub, müssen nach New York oder haben zu viele Meilen.
Ich sage zu.

Die Anreise beträgt 18 Stunden, von morgens um neun bis morgens um sechs am nächsten Tag (meine Zeit). Zwei Stunden davon versuche ich im Shuttle zu dösen, im Stau von Mexico-City ist das nicht machbar, die Nackenstarre bleibt. Mitternacht (Mechiko-Zeit) komme ich im Hotel an, bin maulig und habe keinen Hunger. Chili entdecke ich am vielversprechenden Buffet nicht. Ich bin enttäuscht.

Restschlaf

Dankbarer, tiefer Schlaf. Drei Stunden lang. Dann der erste Anruf: Rezeption. Irgendwas auf Spanisch, ich lege auf. Der nächste Anruf um viertel vor sechs: Ob denn der Herr G. (oder so) zu sprechen sei? Zimmer 201? Ich verneine, halb auf Englisch, halb auf Deutsch, halbwach. Nein, dieses sei Zimmer 202. Ich überlege kurz, nach nebenan zu gehen und die Sache von Mann zu Mann zu regeln. Eine Stunde nach dem Weckruf um sechs stellt sich beim Frühstück heraus: Am Telefon war die Mutter eines Kollegen, ich schwanke zwischen Entsetzen und Mitleid…

Ich reiße mich zusammen: Er möchte doch meine Grüße ausrichten, ich hätte mich sehr über den Anruf gefreut, jederzeit wieder, aber bitte nicht vor sieben. Mir gelingt es meine Handy-Nummer für mich zu behalten. Am Buffet bin ich noch nicht ganz bei mir, nehme von den Rühreiern in grüner Soße, wahrscheinlich scharf, was ich morgens gar nicht mag. Die Fleischbällchen in mole-sauce versuche ich nicht geschmacklich zu ergründen, ich hoffe heimlich, dass es sich um einen Übersetzungsfehler handelt (mole = Maulwurf), sage den Kollegen aber nichts, ich möchte sie nicht beunruhigen. Die Unterhaltung kreist um Kachelmann und Polanski.

Besserung in Sicht

Die grün besoßten Eier sind  ganz große Klasse. Neben all den anderen leckeren Sachen ist immer  noch kein Chili in Sicht, meine stereotype Erwartungshaltung an Mechiko ist nachhaltig erschüttert. Sogar das Wetter liegt jetzt auf meiner Idealtemperatur von 28,3 Grad mit leichter Brise bei klarem Himmel. Das Personal ist entspannt zuvorkommend, der Innenhof des Hotels ist bunt und irgendwie Mariachi, ich komme langsam an.

Der Test-SLS ist knallweiß, wie geil. Vor mir und meinem relaxten Co-Tester liegen heute 450 Test-Kilometer laut Roadbook. Durch den Citytraffic inPuebla erhalten wir eine Polizeieskorte, der SLS ist schließlich teuer. Glücklicherweise verfahren wir uns und brennen eine gewundene Autobahn in unmäßigem Tempo Richtung Cordoba hinab und wieder hinauf, außer uns nur langsame Trucks und Ausweichmanöver, ein bisschen Panamericana wie ich es mir vorstelle. Wir addieren weitere 100 Kilometer auf die Uhr.

Polizeikontrolle

Die Policia sichert uns für die restliche Zeit beste Testbedingungen zu, patroulliert die Strecke vor und hinter uns, damit auch ja nichts passiert bei dem hohen Tempo das wir für ja wohl für anständige Testfahrten brauchen. Tempo 120 auf der Autobahn und 80 auf der Landstraße gelten für die anderen. 1952 lag die Durchschnittsgeschwindigkeit beim Panamericana-Rennen bei 168 km/h, ich versuche es. Ich schaffe es nicht. Es macht mir nichts aus.

Ab Mittag bekommen wir aus logistischen Gründen einen zweiten SLS in rot, in den ich aus gestalterischen Gründen umsteige, ich brauche noch ein paar glaubhaft dynamische Video-Aufnahmen. Das Video-Team kennt da ein paar Strecken…

Schlüsselabgabe

Einen Tag später sitze ich schwer genervt in einem Shuttle-Bus, der mich und einen Haufen schlecht gelaunter Journalisten (auch sie haben ihre Testwagen wieder abgeben müssen) durch lauten Siesta-Verkehr zum Flughafen shuttelt, die Rückreise wird 21 Stunden dauern. Am Oachaka „Airport“ stellt sich heraus, dass in Mechiko-City irgendwie der Flughafen zu war und wir jetzt auf einen anderen Flieger und Touristenklasse umbuchen müssten wenn wir unseren Anschlussflug nach Deutschland kriegen wollten. Dort wird die Wartezeit von vier Stunden durch den glücklichen Umstand verkürzt, dass ich kein Ticket habe. Das endet in ungewollter Bewegung, aber ich werde eh‘ noch 10 Stunden im Flugzeug sitzen. In Deutschland sind bestimmt schon 11 Grad.

Vielleicht beschwere ich mich doch noch bei Mercedes…


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