Rad ab…

Manche Dinge gehören nicht zum Testalltag. Zum Beispiel Reifenplatzer. Oder einfach nur Plattfüße. Umso schöner, wenn einen die Wirklichkeit mal überfällt und die Testkriterien unerwartet ausweitet.
Der Zeitplan ist wieder mal eng. Auf dem Weg zum Flughafen zieht der Mazda2 deutlich nach links, höhere Geschwindigkeiten quittiert der Cityfloh mit Lautstärke. Plattfuß. Über Nacht. Flughafen fällt aus, meine Frau ist stinksauer. Sie wartet dort…
Also wird der Mazda2 mit Schrittgeschwindigkeit nach Hause geeiert um dort den Schaden zu begutachten: OK, der Reifen ist platt. Muss gewechselt werden, aber das ist ja kein Ding, denkste.
Heckklappe auf und unter dem Kofferraumboden dann das blanke Entsetzen in beige:
„Notrad! Max: 80km/h“
Nach ein paar Telefonminuten mit Mazda verdunkelt sich die Sachlage weiter: Ein echtes Ersatzrad wäre erst in drei Tagen da. Bis dahin muss es also das Notrad tun. Oder (ganz heißer Tipp), ich solle doch ein paar Händler anrufen und nach einem 195/45-16er Reifen fragen. Winterreifen natürlich…
In ganz München und Umgebung findet sich dieses Format nicht. Weder als Komplettrad noch mit Sommer- oder sonst einem Profil.
Und schon gar nicht heute!
Wieso braucht ein Kleinwagen eigentlich 195er Niederquerschnittschlappen? Und wieso ist das Bordwerkzeug so billig? Weil sich daran ein paar Euro sparen lassen? Im Ernstfall sind mir die eingesparten zweifuffzig eher egal, denn es stellt sich schnell Stress ein. Entweder weil die Liebste am Flughafen fest sitzt oder der Pannenstreifen zu schmal oder gar nicht da ist oder weil man – auf dem Weg zur Oper – nicht mit eingesauten Händen ankommen will oder weil einem die richtigen Klamotten für den aufziehenden Starkregen fehlen…
Der Mist, der sich dann jedoch in den Werkzeugtäschchen heutiger Neuwagen findet hebt die Stimmung nicht. Im konkreten Mazda-Fall ist das Notrad mit einer langen Festhalteschraube fixiert, die einen nur wenige Millimeter starkem Kopf hat. Der Schraubenschlüssel sitzt also nicht sicher und rutscht dauernd ab. Eine ganze Umdrehung schließt die Kürze des Kofferraums aus, also muss die Schraube in mühsamen Viertelumdrehungen herausgepopelt werden. Schön gebückt, schon wegen der Bandscheiben. Der Wagenheber, das kleine Pfriemelteil, lässt sich im Dunkeln nicht sicher unter dem Auto platzieren, der Schweller kriegt wegen fehlender Markierungen jetzt seine ersten fetten Dellen ab.
Das Notrad ist schließlich montiert aber eigentlich auch keine Lösung. Winterliche Straßenverhältnisse mit mangelndem Grip hinten links machen den sonst so gemütlichen Fronttriebler zur gemeinen Heckschleuder, das ESP ist völlig überfordert. Der Wagen bleibt also stehen und wird drei Tage später von Mazda abgeholt.
Ich habe die Nase voll, wenn ein Plattfuss zu einem Totalausfall wird.
Immerhin führt auch das zu Erkenntnis:
  • prüfen Sie Ihr Bordwerkzeug und ergänzen Sie es mit einer Ratsche mit passender langer Nuss.
  • Taschenlampe und Regenschirm gehören ebenso an Bord, wie im Winter eine warme Decke (wenn es mal wieder etwas länger dauert).
  • Wählen Sie kein exotisches Reifenformat – ein Kleinwagen braucht keine 195er, auch nicht aus optischen Gründen. Das üblichere 185/55-15 Format taugt auch.
  • Besorgen Sie sich ein echtes Ersatzrad wenigstens für Ihren Keller, wenn keines in die Ersatzradmulde ihres Wagens passt.
  • Legen Sie ein Tire-Fit (Reifendichtmittel) in den Kofferraum, dann haben Sie immer noch die Wahl das olle Notrad aufzuziehen oder schnell wieder mobil zu sein.

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